| 22. Rede des Paulus an das Volk. | V. 1-21: Kap. 9,1-30; 26,9-21
22.1 Ihr Brueder und Vaeter, hoert jetzt meine Verantwortung vor
euch! 22.2 Als sie aber hoerten, dass er sie in hebraeischer
Mundart anredete, hielten sie noch mehr Ruhe. Und er spricht:
22.3 Ich bin ein juedischer Mann, geboren in Tarsus in
Zilizien; aber auferzogen in dieser Stadt, zu den Fuessen
Gamaliels unterwiesen nach der Strenge des vaeterlichen Gesetzes,
war ich, wie ihr alle heute seid, ein Eiferer fuer Gott. 22.4
Ich habe diesen Weg verfolgt bis auf den Tod, indem ich sowohl
Maenner als Frauen band und in die Gefaengnisse ueberlieferte,
22.5 wie auch der Hohepriester und die ganze Aeltestenschaft
mir Zeugnis gibt. Von ihnen empfing ich auch Briefe an die
Brueder und reiste nach Damaskus, um auch diejenigen, die dort
waren, gebunden nach Jerusalem zu fuehren, dass sie gestraft
wuerden. 22.6 Es geschah mir aber, als ich reiste und Damaskus
nahte, dass um Mittag ploetzlich aus dem Himmel ein helles Licht
mich umstrahlte. 22.7 Und ich fiel zu Boden und hoerte eine
Stimme, die zu mir sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich?
22.8 Ich aber antwortete: Wer bist du, Herr? Und er sprach zu
mir: Ich bin Jesus, der Nazoraeer, den du verfolgst. 22.9 Die
aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, aber die Stimme
dessen, der mit mir redete, hoerten sie nicht. 22.10 Ich sagte
aber: Was soll ich tun, Herr? Der Herr aber sprach zu mir: Steh
auf und geh nach Damaskus, und dort wird dir von allem gesagt
werden, was dir zu tun verordnet ist. 22.11 Da ich aber vor
der Herrlichkeit jenes Lichtes nicht sehen konnte, wurde ich von
denen, die bei mir waren, an der Hand geleitet und kam nach
Damaskus. 22.12 Ein gewisser Hananias aber, ein frommer Mann
nach dem Gesetz, der ein [gutes] Zeugnis hatte von allen dort
wohnenden Juden, 22.13 kam zu mir, trat heran und sprach zu
mir: Bruder Saul, sei wieder sehend! Und zu derselben Stunde
schaute ich zu ihm auf. 22.14 Er aber sprach: Der Gott unserer
Vaeter hat dich dazu bestimmt, seinen Willen zu erkennen und den
Gerechten zu sehen und eine Stimme aus seinem Mund zu hoeren.
22.15 Denn du wirst ihm an alle Menschen ein Zeuge sein von
dem, was du gesehen und gehoert hast. 22.16 Und nun, was
zoegerst du? Steh auf, lass dich taufen und deine Suenden
abwaschen, indem du seinen Namen anrufst. 22.17 Es geschah mir
aber, als ich nach Jerusalem zurueckgekehrt war und im Tempel
betete, dass ich in Verzueckung geriet 22.18 und ihn sah, der zu
mir sprach: Eile und geh schnell aus Jerusalem hinaus, denn sie
werden dein Zeugnis ueber mich nicht annehmen. 22.19 Und ich
sprach: Herr, sie selbst wissen, dass ich die an dich Glaubenden
ins Gefaengnis werfen und hin und her in den Synagogen schlagen
liess; 22.20 und als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen
wurde, stand auch ich dabei und willigte mit ein und verwahrte
die Kleider derer, die ihn umbrachten. 22.21 Und er sprach zu
mir: Geh hin, denn ich werde dich weit weg zu den Nationen
senden.
22.22 Sie hoerten ihm aber zu bis zu diesem Wort und erhoben
ihre Stimme und sagten: Weg von der Erde mit einem solchen, denn
es darf nicht sein, dass er lebt! | | |
| | Paulus beruft sich auf sein roemisches Buergerrecht. | 22.23 Als sie aber schrien und die Kleider abwarfen und Staub
in die Luft schleuderten, 22.24 befahl der Oberste, ihn ins
Lager zu bringen, und sagte, man solle ihn mit Geisselhieben
ausforschen, damit er erfahre, um welcher Ursache willen sie so
gegen ihn schrien. 22.25 Als sie ihn aber fuer die Riemen
ausgestreckt hatten, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der
dastand: Ist es euch erlaubt, einen Menschen, [der] Roemer [ist],
zu geisseln, und zwar unverurteilt? 22.26 Als es aber der
Hauptmann hoerte, ging er hin und meldete dem Obersten und
sprach: Was hast du vor zu tun? Denn dieser Mensch ist ein
Roemer. 22.27 Der Oberste aber kam herbei und sprach zu ihm:
Sage mir, bist du ein Roemer? Er aber sprach: Ja. 22.28 Und der
Oberste antwortete: Ich habe fuer eine grosse Summe dieses
Buergerrecht erworben. Paulus sprach: Ich aber bin sogar [darin]
geboren. 22.29 Sogleich nun standen die, welche ihn
ausforschen sollten, von ihm ab; aber auch der Oberste fuerchtete
sich, als er erfuhr, dass er ein Roemer sei und weil er ihn
gebunden hatte. | | |
| | Paulus vor dem Hohen Rat. | 22.30 Am folgenden Tag aber, da er mit Gewissheit erfahren
wollte, weshalb er von den Juden angeklagt sei, machte er ihn
los und befahl, dass die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat
zusammenkommen sollten; und er fuehrte Paulus hinab und stellte
ihn vor sie. | | |
| | 23 | 23.1 Paulus aber blickte den Hohen Rat fest an und sprach: Ihr
Brueder! Ich bin mit allem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis
auf diesen Tag. 23.2 Der Hohepriester Hananias aber befahl
denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen. 23.3
Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getuenchte
Wand! Und du, sitzt du da, mich nach dem Gesetz zu richten, und,
gegen das Gesetz handelnd, befiehlst du, mich zu schlagen?
23.4 Die Dabeistehenden aber sprachen: Schmaehst du den
Hohenpriester Gottes? 23.5 Und Paulus sprach: Ich wusste nicht,
Brueder, dass es der Hohepriester ist; denn es steht geschrieben:
`Von dem Obersten deines Volkes sollst du nicht schlecht reden.
23.6 Da aber Paulus wusste, dass der eine Teil von den
Sadduzaeern, der andere aber von den Pharisaeern war, rief er in
dem Hohen Rat: Ihr Brueder, ich bin ein Pharisaeer, ein Sohn von
Pharisaeern; wegen der Hoffnung und Auferstehung der Toten werde
ich gerichtet. 23.7 Als er aber dies gesagt hatte, entstand
ein Zwiespalt unter den Pharisaeern und den Sadduzaeern, und die
Menge teilte sich. 23.8 Denn die Sadduzaeer sagen, es gebe
keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist; die Pharisaeer aber
bekennen beides. 23.9 Es entstand aber ein grosses Geschrei,
und die Schriftgelehrten von der Partei der Pharisaeer standen
auf und stritten und sagten: Wir finden an diesem Menschen
nichts Boeses; wenn aber ein Geist oder ein Engel zu ihm geredet
hat . . . 23.10 Als aber ein grosser Zwiespalt entstand,
fuerchtete der Oberste, Paulus moechte von ihnen zerrissen werden,
und befahl, dass die Truppen hinabgingen und ihn aus ihrer Mitte
wegrissen und in das Lager fuehrten.
23.11 In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und
sprach: Sei guten Mutes! Denn wie du meine Sache in Jerusalem
bezeugt hast, so musst du auch in Rom zeugen. | | |
| | Mordanschlag gegen Paulus | 23.12 Als es aber Tag geworden war, rotteten sich die Juden
zusammen, verschworen sich mit einem Fluch und sagten, dass sie
weder essen noch trinken wuerden, bis sie Paulus getoetet haetten.
23.13 Es waren aber mehr als vierzig, die diese Verschwoerung
gemacht hatten. 23.14 Sie kamen zu den Hohenpriestern und den
Aeltesten und sprachen: Wir haben uns mit einem Fluch
verschworen, nichts zu geniessen, bis wir den Paulus getoetet
haben. 23.15 Macht ihr nun jetzt mit dem Hohen Rat dem
Obersten Anzeige, damit er ihn zu euch herabfuehre, als wolltet
ihr seine Sache genauer entscheiden; wir aber sind bereit, ehe
er nahe kommt, ihn umzubringen.
23.16 Als aber der Neffe des Paulus von der Nachstellung
gehoert hatte, kam er hin und ging in das Lager und meldete es
dem Paulus. 23.17 Paulus aber rief einen von den Hauptleuten
zu sich und sagte: Fuehre diesen jungen Mann zu dem Obersten,
denn er hat ihm etwas zu melden. 23.18 Der nun nahm ihn zu
sich und fuehrte ihn zu dem Obersten und sagt: Der Gefangene
Paulus rief mich herbei und bat mich, diesen jungen Mann zu dir
zu fuehren, der dir etwas zu sagen habe. 23.19 Der Oberste aber
nahm ihn bei der Hand und zog sich mit ihm abseits zurueck und
fragte: Was ist es, das du mir zu melden hast? 23.20 Er aber
sprach: Die Juden sind uebereingekommen, dich zu bitten, dass du
morgen den Paulus in den Hohen Rat hinabbringst, als wolle er
etwas Genaueres ueber ihn erkunden. 23.21 Du nun, lass dich
nicht von ihnen ueberreden, denn mehr als vierzig Maenner von
ihnen stellen ihm nach, die sich mit einem Fluch verschworen
haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht
haben; und jetzt sind sie bereit und erwarten die Zusage von
dir. 23.22 Der Oberste nun entliess den jungen Mann und befahl
[ihm]: Sage niemandem, dass du mir dies mitgeteilt hast. | | |
| | Paulus wird nach Caesarea gebracht | 23.23 Und als er zwei von den Hauptleuten herbeigerufen hatte,
sprach er: Macht zweihundert Soldaten bereit, damit sie bis
Caesarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Lanzentraeger
von der dritten Stunde der Nacht an. 23.24 Und sie sollten
Tiere bereit halten, dass sie den Paulus darauf setzten und
sicher zu Felix, dem Statthalter, hinbraechten. 23.25 Und er
schrieb einen Brief folgenden Inhalts: 23.26 Klaudius Lysias,
dem hochedlen Statthalter Felix [seinen] Gruss! 23.27 Diesen
Mann, der von den Juden ergriffen wurde und nahe daran war, von
ihnen umgebracht zu werden, habe ich [ihnen], indem ich mit dem
Kriegsvolk einschritt, entrissen, da ich erfuhr, dass er ein
Roemer sei. 23.28 Da ich aber die Ursache wissen wollte,
weswegen sie ihn anklagten, fuehrte ich ihn in ihren Hohen Rat
hinab. 23.29 Da fand ich, dass er wegen Streitfragen ihres
Gesetzes angeklagt war, dass aber keine Anklage gegen ihn vorlag,
die des Todes oder der Fesseln wert waere. 23.30 Da mir aber
ein Anschlag hinterbracht wurde, der gegen den Mann im Werk sei,
habe ich ihn sofort zu dir gesandt und auch den Klaegern
befohlen, vor dir zu sagen, was gegen ihn vorliegt.
23.31 Die Soldaten nun nahmen, wie ihnen befohlen war, den
Paulus und fuehrten ihn bei Nacht nach Antipatris. 23.32 Am
folgenden Tag aber liessen sie die Reiter mit ihm fortziehen und
kehrten nach dem Lager zurueck. 23.33 Und als diese nach
Caesarea gekommen waren, uebergaben sie dem Statthalter den Brief
und fuehrten ihm auch den Paulus vor. 23.34 Als er es aber
gelesen und gefragt hatte, aus welcher Provinz er sei, und
erfahren, dass [er] aus Zilizien [sei], 23.35 sprach er: Ich
werde dich verhoeren, wenn auch deine Anklaeger angekommen sind.
Und er befahl, dass er in dem Praetorium des Herodes bewacht
werde. | | |
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