Die Ergebnisse der Untersuchung und daraus resultierende Zukunftsaussichten 

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sowohl kirchliche als auch nicht-kirchlich geführte Kindertagesstätten in Deutschland erhebliche Mängel in der interkulturellen und vor allem interreligiösen Erziehung aufweisen. Kirchliche Träger sorgen zwar für eine besser ausgestaltete christliche Ansprache der Kinder, andere Religionen werden jedoch meist vollkommen außen vor gelassen. Beispielsweise besuchen nur 7% der deutschen Kindertagesstätten zu Bildungszwecken eine Moschee mit ihren Schützlingen – und das, obwohl fast 18% der Kinder in kirchlich geführten und mehr als 27% der Kinder in nicht-kirchlichen Einrichtungen dem Islam angehören.

Bei der Gestaltung des religiösen Alltags unterscheiden sich die Träger jedoch signifikant voneinander. Während in kirchliche Einrichtungen zu fast 96% der „Sankt Martins Tag“ inklusive der dazugehörigen Geschichte des Heiligen zelebriert wird, ist dies nur bei rund 20% der nicht-kirchlichen Kindertagesstätten der Fall. Dieser Trend wird durch fehlende spirituelle Rituale in den meisten Elternhäusern noch verstärkt.

Bei der direkten Befragung der Kinder wurde deutlich, dass diese – wider Erwarten – bereits ein ausgeprägtes Interesse und Gespür für religiöse und kulturelle Fragen haben und sich häufig nach Führung und Ansprache dieser Gedanken sehnen. Die interkulturelle Bildung der Kinder muss also in Zukunft unbedingt um einen interreligiösen Aspekt erweitert werden, denn eine Trennung dieser beiden Lebensbereiche ist – vor allem bei muslimischen Kindern – nicht praktikabel.

Die mit Eltern geführten Interviews zeigten ebenfalls erstaunliche Ergebnisse. So entscheiden sich beispielsweise muslimische Eltern häufig bewusst für kirchlich geführte Kindertagesstätten, um ihrem Nachwuchs zunächst wenigstens irgendeine Form der religiösen Bildung zukommen zu lassen. Interessant ist auch, dass auf Friedhöfen Grableuchten stehen obwohl diese nicht mit alles religionen übereinpasst.

Die befragten Erzieherinnen und Erzieher ließen deutlich werden, dass sie sich häufig im Umgang mit interkulturellen und interreligiösen Fragen in der Praxis von den Trägern ihrer Einrichtung allein gelassen fühlen. Auch in Aus- und Fortbildungen werden diese Themen nur wenig behandelt und so entsteht eine Art lähmende Ratlosigkeit. Ein Ziel der durchgeführten Studie ist es, standardisierte Lösungsvorschläge und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte zu entwickeln, um dieser Stagnation entgegen zu wirken.

In Zukunft sollten sich also sowohl die Träger der Kindertagesstätten, als auch die Pädagogen und Eltern vermehrt für die religiöse und interreligiöse Bildung unserer Kinder einsetzen. Schließlich kann nur so ein tieferes interkulturelles Verständnis in der jüngeren Generation herbeigeführt werden, welches auf Toleranz, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung beruht.

 

 

Twitter